
Das Äußere als eine Facette des Ichs
Sozialassistenten aus Wurzen lassen sich im Beruflichen Schulzentrum Schkeuditz nicht nur den Kopf waschen
Schkeuditz. Einen ziemlich weiten Weg zum Friseur haben diese Woche 18 Schüllerinnen auf sich genommen. Doch es lohnte sich: Zunächst mal waren für die angehenden Sozialassistenten des Beruflichen Schulzentrums Wurzen Make-up sowie Waschen, Legen, Föhnen kostenlos. Und darüber hinaus mit einem möglichen Erkenntnisgewinn verbunden. Der kollektive Besuch bei den Friseurlehrlingen und "Make-up Artists" am Schkeuditzer Berufsschulzentrum war ein Bestandteil des Projektes "Facetten des Ich(s)", zu denen das Äußere zweifelsohne gehört.
"Schöne Menschen haben es leichter, heißt es. Warum das so ist, auch darüber sollen sich die Schüler Gedanken machen. Und ausprobieren, ob mit der Veränderung des Äußeren auch eine des Inneren einhergeht", sagte Stefan Fuchs. Er ist im Wurzener Berufschulzentrum mit für die kreative und musische Erziehung zuständig. "Im Rahmen des handlungsorientierten Unterrichts sollten Schüllerinnen im dritten Jahr der Berufsfachschule Sozialwesen in der Lage sein, Sozialkompetenz zu beweisen. Dazu zählen neben Empathie, Menschenkenntnis oder Kritikkompetenz eben auch das Artikulieren eigener Vorstellungen, ableitend auch von einer möglichen Veränderung des Äußeren, so Fuchs. Die Wurzener kamen mit recht konkreten Vorstellungen. Es folgte ein Gespräch zwischen den Handwerkern und Models, in dem ausgelotet wurde, was möglich ist. "Wir müssen das umsetzen, was uns vorgeschlagen wird", erzählte Susan Lucia, im 2. Lehrjahr Friseurin in Schkeuditz, Was für sie einfach war, denn ihr Model war ihre Schwester Nancy, die in Wurzen lernt. Ihr verpasste die Schwester das erste Make-up, Die "Models" wurden fotografiert. Am Ende bedauerte Lehrer Fuchs es etwas, dass doch eher "brave" Vorher-Nachher-Situationen entstanden seien. Die geäußerten frechen und auf Konfrontation ausgerichteten Ideen und Sprüche der Schülerinnen während der Projektarbeit hätten sich nicht widergespiegelt. Lieber schön sein, das stehe im Vordergrund der Verwandlung, schätzte etwa Alexandra Amende ein. Und die Schkeuditzer? "Unsere Lehrlinge können den Umgang mit Kunden üben und versuchen, gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln", nennt Jens Kretschmer, Ausbilder am Schkeuditzer Schulzentrum, ein Ziel des Projektes, von dem die jungen Teilnehmer unter sowie neben der Trockenhaube profitieren sollten.
Michael Falgowski
{morfeo 5}